Mode-Spezialisten für eine nachhaltigere Welt

Die Studierenden des Masterstudiengangs präsentieren ihre Inclusive Design Modelle

Die Studierenden des Masterstudiengangs präsentieren ihre Inclusive Design Taschenmodelle. Alle sind auf die speziellen Bedürfnisse und Wünsche von geh- und sehbehinderten Sportlern zugeschnitten. Foto: Helen Nicolai

Berlin, 28. August 2012. Die Internationale Kunsthochschule für Mode Esmod in Berlin setzt mit ihrem neuen Masterstudiengang Sustainability in Fashion Maßstäbe in der Ausbildung. Seit Oktober letzten Jahres arbeiten zwölf Studierende an ihren individuellen Projekten im Feld der Mode, teilweise mit internationalen Mode-Spezialisten zusammen, um zum Beispiel eine rein ökologisch abbaubare Sneakerkollektion oder eine Modell-Kollektion zu entwickeln, mithilfe derer Massenkonfektionäre wie H&M zum Umstrukturieren ihrer Produktionsabläufe angeregt werden sollen. Die Studierenden (bislang ist noch kein Mann dabei) kommen aus der ganzen Welt wie Brasilien, Kanada, Kroatien, den Niederlanden und Österreich nach Berlin, um Mode zu schaffen, die ökologisch als auch ethisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltig ist. Mitte Oktober werden sie ihre Masterprojekte einer Jury präsentieren. Mit Carolin Graening, Mode-Designerin (caro e.) und Assistentin der Direktorin des Studiengangs, Prof. Friederike von Wedel-Parlow, sprach ich über den Wunsch die Welt zu verbessern und die Suche nach neuen Lösungen.

Frau Graening, die Esmod bietet mit dem M.A. Sustainability in Fashion weltweit die erste Masterausbildung im Feld Nachhaltigkeit an. Was zeichnet nachhaltiges Modedesign aus?

Die Esmod ist nicht die erste und einzige Hochschule weltweit, die eine Masterausbildung in diesem Bereich anbietet. An der London School of Fashion können Studierende einen Master in Fashion and the Environment ablegen. Aber die Esmod ist die einzige Modeschule, die interdisziplinär vorgeht und bei der der ganzheitliche Aspekt im Vordergrund steht. Nachhaltigkeit spielt nicht nur in der Mode eine Rolle, sondern ist verknüpft mit Marketing, Produktion und Knowledge. Nachhaltige Mode zeichnet sich für uns dadurch aus, dass nicht nur nachhaltige Materialien verwendet werden, sondern dass der ganze Prozess von der Produktion bis hin zur Auslieferung der Modelle nachhaltig verläuft: dass faire Löhne gewährleistet sind, dass es möglichst kurze Transportwege gibt, was auch immer zu verbessern ist. Es gibt kein Optimum, aber es geht darum, immer neue Lösungen zu finden, um einen möglichst kleinen CO2-Fußabdruck bei der Herstellung von Mode und einen möglichst fairen Handel damit zu erreichen.

Im Herbst letzten Jahres hat der erste Studiengang begonnen. Welche Erfahrungen haben Sie innerhalb des letzten Jahres gesammelt und wie wirkt sich das auf die weitere Ausbildung aus?

Wir und die Studierenden sind mit der großen Motivation gestartet, die Welt zu verbessern und sind im Laufe der Monate natürlich auch an Grenzen gestoßen. Diese Grenzen kennen wir jetzt besser und wissen, was wir den Studierenden mitgeben können und was sie auf ihrem Weg weiterbringt. Wir können ihnen in einem Jahr die ganze Bandbreite von Fairtrade bis Cradle-to-Cradle vermitteln, aber da die Themen und Möglichkeiten so komplex sind, können wir die Studenten nicht zu Spezialisten in jedem Bereich machen. Nach einem ersten Semester voller Projekte in diversen Gebieten wie eben Cradle-to-Cradle oder Inclusive Design, beginnen die Studierenden dann im zweiten Semester sich in einem Feld zu spezialisieren und ihr eigenes persönliches Master – Projekt zu finden.

Der französische Designer Francois Girbaud ist einer der Spezialisten, der einen Workshop geleitet hat. Er hat eine umweltschonende Ozon Lasertechnik entwickelt. Wie wird die im Design umgesetzt?

Es gibt die Sandblast Technik, mit der auf Jeans Stoffen künstlich der Gebraucht-Effekt hergestellt wird und die sehr viel Wasser verbraucht. Zudem ist sie auch schädlich für den Arbeiter, der sie anwendet, weil dabei sehr viel Staub entsteht und sich somit schlecht auf die Arbeitsbedingungen auswirkt, sie ist sogar sehr gesundheitsschädigend. Francois Girbaud hat eine neue Technik entwickelt, die die Farbe mithilfe von Laserstrahlen ausbleicht und damit die Umwelt schon. Dieses neue Verfahren hat Girbaud „WattWash“ genannt, durch das lediglich fünf Liter Wasser verbraucht werden, um eine Jeans einer Grundbehandlung zu unterziehen. Früher waren es 150 Liter. Dieses Verfahren ist nur leider noch lange nicht im Massenmarkt angekommen.

Ein anderes Verfahren nennt sich Cradle-to-Cradle. Was bedeutet das?

Das Verfahren beruht auf dem Prinzip, dass für jedes Produkt und eben auch für jedes Kleidungsstück nur noch Material verwendet wird, das komplett kompostierbar oder recyclingfähig ist. Es wurde von dem Hamburger Wissenschaftler Prof. Michael Braungart in Zusammenarbeit mit dem Architekten William McDonough entwickelt. Das bedeutet, dass der Stoff zum Beispiel nur aus unbehandelter Baumwolle bestehen darf. In Deutschland wendet die Firma Trigema das Cradle-to-Cradle Prinzip bei der Herstellung ihrer Shirts an. Unsere Studierenden bekamen zu diesem Thema eine Vorlesung mit dem Materialwissenschaftler Erik van Buuren, der sich seit Jahren mit der Optimierung von Produkten beschäftigt.

Die ersten zwölf Absolventinnen des Studiengangs werden im Oktober ihren Masterabschluss machen. Wie sind ihre Jobchancen?

Einige haben konkrete Pläne sich selbstständig zu machen, zum Beispiel mit einer Website für grüne Mode, die die High Fashion Branche mit der ökologisch orientierten Modewelt verbinden soll. Andere möchten ihr eigenes Label gründen, wofür sie ein Business Konzept ausgearbeitet haben und es gibt Absolventinnen, die bereits während des Studiums mit Firmen zusammengearbeitet haben, bei denen sie dann im Anschluss an ihr Studium aufgrund der gemeinsamen Projekte gute Chancen haben, übernommen zu werden.

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